#3 Ich und diese Situation oder auch Depression genannt

Einen Psychologen zu finden ist nicht leicht. Einen Psychologen zu finden, der zu einem passt, ist noch schwieriger.

In Lüneburg gibt es so einige Psychologen, doch haben die meisten eine sehr lange Warteliste. Da ich gerne zu einer PsychologIN gehen wollte, grenzte das natürlich die Anzahl der Psychologen noch einmal ein. Aber irgendwann konnte ich zu einem Erstgespräch zu einer Psychologin gehen. Ehrlicher Weise muss ich sagen, dass ich nicht sofort nach einer Psychologin gesucht habe. Nachdem ich beim Arzt war und ich die Empfehlung bekam, mir doch professionelle Hilfe zu holen, wollte ich es erst nicht wahrhaben und habe es deshalb noch in den Hintergrund geschoben. Es liegt daran, dass ich überhaupt nicht der Typ Mensch bin, der gerne über sich spricht. Ich mag ungern über mich oder noch schlimmer über meine Probleme sprechen. Selbst im Freundes- und Familienkreis bin ich eher diejenige, die Anderen zuhört. Außerdem bin ich sowieso von Natur aus zurückhaltend und schüchtern. Ich gehe eigentlich selten auf andere Menschen zu, erst recht nicht, wenn ich sie nicht kenne. Und so ist es für mich eine echte Herausforderung zu einem Psychologen zu gehen. Denn da stehe ich im Mittelpunkt; ich muss die meiste Zeit erzählen; ICH „soll“ über meine Probleme reden. Es war und ist für mich wirklich eine Herausforderung. Eine Hürde, der ich mich stellen muss. Und deswegen verstrichen ein bis zwei Wochen, bis ich überhaupt anfing zu suchen. Ich wollte mir die Sache auch irgendwie noch nicht eingestehen. Die tatsächliche Suche dauerte dann ca. einen Monat. So fand ich also nach geraumer Zeit eine Psychologin, die mich zu einem ersten Gespräch einlud.

Ich muss sagen, dass das Reden dann doch ganz gut funktionierte. Denn: Ich möchte das sich in meinem Leben, an meiner Situation etwas ändert. Und es kann sich nur etwas ändern, wenn ich rede, wenn ich über meine Situation spreche. Und wenn sich etwas ändern soll, muss ich mit einer professionellen Hilfe sprechen. Das Thema „Zum Psychologen gehen doch nur psychisch Kranke“ habe ich ganz schnell wieder abgehakt. Denn das ist in meinen Augen Quatsch. Natürlich geht man zu einem Psychologen, wenn man Probleme hat. Aber man ist nicht sonst wie „gestört“ krank, wie es uns doch oft suggeriert wird.

Das Erstgespräch mit der Psychologin war gut. Ich konnte mich recht schnell öffnen und ihr meine Situation schildern. Sie zeigte anfängliches Interesse und ich fühlte mich gut aufgehoben. Doch nach dem zweiten Gespräch fühlte ich mich nicht mehr so wohl. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir Dinge einredet und mich in einem falschen Licht darstellt. Ich bin nach dem zweiten Gespräch mit einem unguten Gefühl rausgegangen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich hatte wirklich gedacht, dass ich mir einiges einrede und dass ich Dinge falsch mache. Eigentlich wollte ich nicht mehr zu dieser Psychologin gehen, aber ich habe mir gesagt: „Jetzt hast du endlich eine Psychologin und dann musst du da auch hingehen“. Und so probierte ich es noch ein drittes Mal. Und auch nach dem dritten Gespräch fühlte ich mich unwohl. Eigentlich fühlte ich mich danach noch schlechter. Denn als ich für eines meiner Probleme nach Lösungsvorschlägen fragte, bekam ich nur eine flappsige und nicht gerade aufbauende Antwort. Da war mir klar, dass ich zu ihr nicht mehr gehen werde.

Was hat man davon, wenn man einen Psychologen hat, der einem etwas einredet, der einen nicht verstehen kann oder will und einem keine Lösungsvorschläge bietet. Menschen mit psychischen Problemen brauchen Unterstützung. Sie brauchen Hilfe, um aus ihrem Tief wieder rauszukommen. Genau da braucht man gut ausgebildete Menschen, die Einfühlungsvermögen haben, die den Patienten in gewisser Weise verstehen und einem Vorschläge anbieten, bzw. mit dem Patienten zusammen Lösungsideen ausarbeiten. Aber man braucht niemanden, der keine Empathie zeigt.

Und so war mein Problem noch da, aber keine professionelle Hilfe in Sicht. Eines konnte ich aber mitnehmen.

Ich kann meiner Situation ab sofort einen Namen geben: Depression.

Okay, das will man natürlich nicht wirklich hören. Und doch weiß ich jetzt woran ich bin.

Ich habe immer gedacht, dass Menschen mit Depressionen anders sind als ich. Ich habe sie mir so vorgestellt, dass es traurige, schlecht gelaunte Menschen sind, die Ängste und Paniken haben. Ich habe gedacht, dass man den Menschen ansieht, dass sie an einer Depression leiden. Doch das ist Unsinn. Ich bin davon ausgegangen, weil ich keinen Menschen kenne, der eine Depression hat oder hatte und weil ich wirklich bisher nicht viel über das Thema „Depressionen“ wusste.

Jetzt weiß ich, dass man mit einer Depression „ganz normal“ sein kann. Denn im Außen bin ich ganz normal. Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich eine Depression habe. Und auch viele Bekannte schrieben mir, dass sie gar nicht wussten, dass es „so schlimm“ ist. Erst durch meine Beiträge konnten sie sich ein Bild davon machen. Ich versuche den Schein zu wahren, möchte einfach nicht darüber reden. Ich versuche im Außen die „alte“ Steffi zu sein, nicht aufzufallen, niemandem Futter zu geben, dass ich womöglich noch über mich und meine „Situation“ sprechen muss. Komischer Weise kann ich aber darüber gut schreiben. Das fällt mir wesentlich leichter…

Nachdem ich doch recht geknickt aus dem letzten, dritten, Psychologengespräch rausgegangen bin, kam ein Tag später eine Nachricht von einer anderen Psychologin. Im Hinterkopf noch die verständnislose Psychologin, machte ich dann doch nach kurzem Überlegen einen Termin mit der neuen Psychologin aus. Ich hatte ein unwohles Gefühl im Bauch. Ich wollte ja nicht noch einmal so eine schlechte Erfahrung machen.

Auch dieser Psychologin schilderte ich mein Problem. Und sie war genau das Gegenteil von der ersten Psychologin. Ich fühlte mich sofort verstanden, sie zeigte ehrliches Interesse und Mitgefühl. Im Erstgespräch stellte sie mir ganz viele Fragen, sie hörte zu und gab mir ein Gefühl von Verständnis. Ich denke auch, dass sie auf mich durch ihre ruhige Art einen vertrauenserweckenden Eindruck machte.

Ich war jetzt dreimal zur Therapiestunde und jedes Mal komme ich mit einem befreienden Gefühl aus der Sitzung. Ich fühle mich nach den Stunden gut und bin positiver Dinge. Die Psychologin gibt mir Mut und bringt mich auf Erkenntnisse, die ich nicht für möglich gehalten haben.

Ich stecke noch ganz am Anfang, ich muss noch sehr viel lernen, muss mich noch viel mehr kennenlernen und lieben lernen. Aber ich bin frohen Mutes, dass sich alles fügt.

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