Lebenskrise – Was habe ich dagegen getan?

In meinem ersten Beitrag zum Thema Lebenskrise – mittendrin und voll dabei habe ich dir erzählt, wie es bei mir dazu kam. Heute möchte ich dir zeigen, wie ich die Zeit genutzt habe und was mir die freie Zeit gebracht hat.

ERSTE WOCHE

Es tat mir gut, morgens keinen Stress zu haben. Jeder kennt das: schnell frühstücken, anziehen, Brote schneiden, etc. Halt die ganze Hetzerei, die man morgens hat. In der ersten Woche dagegen war es wunderbar morgens länger schlafen zu können, entspannt mit meinem Sohn in den Tag zu starten und in Ruhe den Kleinen in die Kita zu bringen. Danach hatte ich für ein paar Stunden Zeit für mich. Konnte das machen, was ich machen wollte, und das zu der Zeit, zu der ich Lust hatte. Doch trotzdem war ich im Stress. Wieso? Weil ich natürlich immer die Uhr im Auge behalten musste, denn mein Sohn wollte selbstverständlich auch wieder aus der Kita abgeholt werden. Da zu diesem Zeitpunkt schon voll  die Sommertemperaturen herrschten, wollte mein Sohn auch wieder rechtzeitig zu Hause sein, um in der Wassermuschel zu plantschen. Selbst wenn ich nachmittags noch die Lust verspürt hätte, alleine spazieren zu gehen oder einfach in der Stadt bummeln zu gehen, wäre dies nicht möglich gewesen. D.h. ich hatte zwar Zeit für mich, aber diese war begrenzt. Ab Mittwoch war dann mein Mann auch zu Hause. So brauchte ich meinen Sohn nicht zur Kita bringen. 

Was ich noch nicht erwähnt habe: ich würde mich gerne selbstständig machen. Ich möchte noch gar nicht viel verraten, falls es doch nicht so klappt, wie ich es mir vorstelle, aber ich habe schon so ein paar Ideen, wo die Reise hingehen soll. Und diese Ideen wollte ich in der Zeit, in der ich mehr Freizeit habe, mal zusammenstellen. Doch irgendwie konnte ich die Zeit nicht zu hundert Prozent ausschöpfen. Warum? Weil natürlich das Familienleben weiterging. Es gibt gewisse Zeiten, die eingehalten werden müssen, wie zum Beispiel Essenszeiten oder die Abendrituale mit dem Kleinen und natürlich möchte der Kleine auch nicht was das gemeinsame Spielen angeht zu kurz kommen.

Deswegen wurde mir von vielen Seiten empfohlen, irgendwo alleine hinzufahren. Einfach Sachen packen, abschalten und alleine zur Ruhe kommen. Es ist an sich auch eine super Idee, doch wollte ich die Zeit nutzen, um zu Nähen und Bücher zum Thema Persönlichkeitsentwicklungs zu lesen. Und weder meine Nähmaschine (plus tausend Zubehörsachen), noch dicke Wälzer wollte ich mitschleppen. Außerdem ist es ja auch eine finanzielle Sache. Da wir ja nächstes Jahr eine größere Reise in Angriff nehmen wollen, würde mir da das Geld fehlen.

Doch durch eine wunderbare Fügung, kam dann doch der Tag an dem ich alleine sein konnte…

Am Samstag, der ersten Woche, fuhren meine Männer in die Heimat. Und ich hatte die Wohnung für mich alleine…

SAMSTAG, Tag 1

Nachdem die Männer weg waren, war es erst komisch ganz allein zu sein. Denn allein durch meinen Sohn wird die Wohnung schon ordentlich belebt. 😉

Da die beiden um die Mittagszeit los sind, machte ich mir erst einmal ein leichtes Mittagsgericht. Da ich mir schon für die erste Woche einen Waldspaziergang vorgenommen habe, es aber irgendwie nie geschafft habe, bin ich dann nach dem Essen gestärkt in den Wald gegangen.

Es war wunderbar durch den Wald zu gehen. Mit Ohrstöpseln im Ohr und einer Podcast Folge zum Thema Persönlichkeitsentwicklung setzte ich einen Fuß nach dem anderen. Ich fühlte mich wunderbar dem Podcast zu lauschen und durch die Natur zu laufen. Mit dem Handy machte ich Fotos. Es war wirklich schön. Ich war zwar alleine unterwegs, fühlte mich aber nicht einsam. Irgendwann kam ich an einem Bach vorbei. Diesen wollte ich nicht nur fotografieren, sondern auch filmen. Ich nahm meine Ohrstöpsel aus den Ohren und hörte das erste Mal das Vogelgezwitscher. Außerdem machte der Bach ein leicht rauschendes Geräusch. War ich ein Idiot! Da gehe ich durch den Wald und kriege nichts mit. Ich habe nichts wahrgenommen, ich war total abgeschottet von der Außenwelt. Also parkte ich mein Handy samt Hörer in der Hosentasche und nahm ab sofort meine Umgebung wahr. Denn ich merkte zum ersten Mal, wie kühl es doch im Wald war. Ich hörte das leichte Rascheln der Bäume und bemerkte wie ein Vogel im Laub Futter suchte. All das hätte ich nicht mitbekommen, wenn ich mich weiter von äußerlichen Einflüssen abgelenkt hätte. In diesen Momenten ging ich ganz bewusst durch den Wald. Ging langsam, hörte das Knacken unter meinen Schuhen. Ich war mit mir und dem Wald verbunden. Genau das brauchte ich. Ich fühlte mich frei.

Irgendwann kam ich in einem Wohngebiet raus. Und ich wusste nicht wo ich war 😉 Natürlich hätte ich mein Handy zücken und mich vom Navi leiten lassen können, doch das wollte ich nicht. Ich wollte meinem Instinkt folgen – der wird mich schon leiten. Da ich sehr gerne den Verkehr mit Musik in den Ohren übertöne, hätte ich mir die Stöpsel wieder in die Ohren tun können. Doch da ich die Gegend bewusst erkunden wollte und es wirklich ein ruhiges Wohngebiet war, blieb das Handy in der Hosentasche. Und so bekam ich mit, wie Kinder laut spielten, Rasen gemäht und bewässert wurde und irgendwo laut Musik gehört wurde. Im Wald kam mir eine Läuferin entgegen, die ich dann im Wohngebiet wieder sah. Das zum Thema „man sieht sich immer zwei Mal im Leben“. 😉

Zu Hause setzte ich mich an den Laptop und schrieb meine Gedanken auf. Ich fühlte mich nach diesem Ausflug beflügelt, fühlte mich motiviert. Genau das brauchte ich für mich: Zeit für mich, genau dann wann ich es brauche; mich um mich kümmern, alles nach meinem Rhythmus zu tun.

Sonntag, Tag 2

Was für ein Tag! Ich konnte ausschlafen. Endlich! Keine Ahnung wann ich das letzte Mal ausschlafen konnte, ohne dass ich von irgendjemanden geweckt wurde. Ich lag dann noch fast eine Stunde im Bett und las. Ganz in Ruhe stand ich auf. Öffnete in jedem Zimmer die Fenster weit. Hörte wie draußen die Vögel zwitscherten. Nach dem ich mich im Bad fertig gemacht habe, meditierte ich. Ich war sehr bei mir, konnte mich fallen lassen. Beim Bäcker holte ich mir später frische Brötchen. Eigentlich bin ich ja eine Frostbeule, aber mit einem leichten Pulli bekleidet, konnte ich mich zum Frühstück auf die Terrasse setzen. Es ist herrlich draußen zu frühstücken und den Vögeln zuzuhören. Nebenbei häkelte ich an der Babydecke für meine Tante weiter. Gegen Mittag kam mir die Idee eine kleine Radtour zu machen. Mit einem beschmierten Brötchen, einer Banane und ausreichend Wasser, ging es ziellos los. Ich fand es toll, einfach loszufahren und nicht zu wissen wohin. Da es hier in der Lüneburger Umgebung wunderbare Radwege gibt, kommt man super von einem Ort zum anderen. Als ich Kind war, machten meine Eltern mit dem Auto gerne Ausflüge über die Dörfer. Ich fand es total langweilig. Als Teenie lernte ich das dann doch zu schätzen. Da ich ja noch kein Autofahren konnte, drehte ich mit dem Rad meine Runden. Gerade als Jugendlicher braucht man ja seine Freiheiten. 😉 Und auf dem Rad fühlte ich mich frei. Und an dem Sonntag fühlte ich mich daran zurückerinnert und dieses Freiheitsgefühl kam zurück. Ich war ganz in meinem Element. Spürte den Fahrtwind in meinen Haaren. Was ich faszinierend fand, ich war ganz in dem Moment, im Hier und Jetzt. Manchmal kommen einem ja die wirrsten Gedanken, wenn man für sich alleine ist. Man denkt über dies und das nach. Aber das war bei mir überhaupt nicht so. Ich musst mich nicht bewusst daran erinnern, den Moment zu genießen. Nein, das machte ich ganz unbewusst. Da ich doch oft an der Straße fuhr, war es zwischendurch sehr laut. Da freut man sich über die „Sonntagsfahrer“, die keine 100 km/h auf der Landstraße fahren 😉 Ca. zwei Stunden war ich unterwegs. Ich kam an einem Reitturnier vorbei, sah wirklich riesig große Schweine und wunderschöne Höfe. Unterwegs traf ich auf ein älteres Pärchen, welches jeweils mit einem elektrischen Gefährt unterwegs war. Und auch diese zwei Menschen sah ich ein zweites Mal auf meiner Tour – irgendwie spooky 😉

Gut gelaunt kam ich nachmittags wieder zu Hause an. Ich aß ein Stück Kuchen und häkelte an der Decke weiter. Außerdem machte ich noch was für mein Projekt.

Montag, Tag 3

Der Wecker klingelte um 7.00 Uhr, aufgestanden bin ich um 7.15 Uhr. Im Bad machte ich mich frisch und meditierte später. Dieses Mal begleitete mich ein Mantra. Draußen frühstückte ich mit den zwitschernden Vögeln. Danach ging es mit einem gepackten Rucksack in die Bibliothek. Da es erst halb 10 war, war es noch relativ ruhig. Konzentriert konnte ich mich meinen Aufgaben widmen. Nach 2 Stunden knurrte mein Magen und ich ging wieder nach Hause. Bis zu dem Zeitpunkt war es wirklich ein gelungener Tag – entspannt und produktiv. Und er wurde abends noch viel netter, denn meine Nachbarin kam mit Kuchen vorbei. So saßen wir beisammen und quatschten. Da sie ein Pferd besitzt und spontan abends noch in den Stall wollte, nahm sie mich mit. Und so verbrachte ich noch 1 1/2 Stunden zwischen zwei grasenden Pferden auf einer Wiese. Es war wirklich sehr nett und beruhigend. Echt unbeschreiblich schön. Voller positiver Energie fiel ich später ins Bett.

RESTLICHE WOCHE

So verging auch die restliche Woche. Ich konnte gut an meinem Projekt arbeiten, hatte viel Zeit um mir Gedanken um mich zu machen. Ich konnte mich jeden Tag auf mich konzentrieren – ohne irgendwelche „Störfaktoren“. Ich konnte den Tag so starten, wie ich es für richtig hielt, konnte den Tag bestreiten nach meinen Bedürfnissen und den Tag gemütlich ausklingen lassen. Die letzten Tage kann man gut zusammenfassen, da sie fast immer gleich waren. Dies fand ich aber überhaupt nicht schlimm. Für mich war es nicht wichtig jeden Tag etwas Neues zu machen, sondern mir Gedanken über meine Zukunft zu machen. Ich wollte wissen, was ich will und wo ich hinmöchte. Es ist mir ganz gut gelungen. Aber es gibt noch sehr viel zu tun. Meine Devise ist jetzt: Kopf hoch, es wird alles gut. Ich werde alles schaffen, was ich mir vornehme.

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